Diagnostik bei Verdacht auf Morbus Fabry
Wann sollten Fachärzt:innen an Morbus Fabry denken?
Es gibt keine „eindeutigen Morbus Fabry-Symptome“, allerdings sollten bestimmte Symptome, vor allem in Kombination, Ärzt:innen an Morbus Fabry denken lassen und einen Test der Enzymaktivität und ggf. eine genetische Analyse veranlassen:
Fallen diese Tests positiv aus, gilt eine Morbus Fabry-Diagnose als bestätigt, allerdings schließt ein negatives Testergebnis Morbus Fabry nicht aus. Während Männer mit klassischem Phänotyp (mit wenig bis keiner α-Gal-A-Aktivität) Lyso-Gb3-Normalwerte im Mittel um das 20-Fache übersteigen, haben Männer mit late-onset (mit residueller α-Gal-A-Aktivität) oft Werte nur knapp über den Normwerten. Frauen können sogar im Normalbereich liegen.3
Eine genetische Analyse des GLA-Gens dient zur Sicherung der Diagnose bei Männern und Frauen und umfasst zumeist eine Mutationsanalyse zur krankheitsauslösenden Mutation, die wiederum wichtige Information für die Wahl der optimalen Therapie liefert.
Abb. modifiziert nach METHA, A. et al. 2004
Diagnostik, Symptome
Schubweise auftretende neurologische Symptome
Funktionsstörungen
Lumbalpunktion
Pleozytose (fakultativ)
Oligoklonale Banden*
MRZ-Reaktion positiv**
Andere DD ausgeschlossen
Evozierte Potentiale mit verlängerten Latenzen (MEP, SEP, VEP)
Kraniales MRT
Spinales MRT
KM-Aufnahme örtlicher und zeitlicher Dissemination
Typische Verteilungsmuster der Entmarkungsherde (Bestandteil diagnostischer Kriterien)
Morbus Fabry
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Multiple Sklerose
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MEP: Magnetisch evozierte Potentiale. MRZ: Masern, Roteln, Zoster. MRT: Magnetresonanztomographie. SEP: Somatosensorisch evozierte Potentiale. VEP: Visuell evozierte Potenziale.
*Sensitivität: 95–100%, **Sensitivität: 90%
- White Matter Lesions, also Schädigungen der weißen Hirnsubstanz, und damit einhergehende Funktionseinschränkungen treten bei beiden Erkrankungen auf.
- Zöliakie muss bei vorrangig gastrointestinalem Phänotyp ausgeschlossen werden.
- Polyneuropathien werden zwar erkannt, aber die Ursache bleibt oft unklar.
- Bei Kindern und Erwachsenen werden häufig Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis diagnostiziert.
- Bei Kindern werden die typischen neuropathischen Schmerzen immer wieder als Wachstumsschmerzen abgetan.
Kardiologischen Untersuchungsverfahren
Zu den kardiologischen Untersuchungsverfahren zählen bildgebende Verfahren wie die Elektrokardiographie (EKG), die Echokardiographie (Echo) und die Magnetresonanztomographie (Kardio-MRT mit Late Enhancement Imaging).
Typisch bei Morbus Fabry ist eine linksventrikuläre Hypertrophie zumeist ohne Hypertonie, ein prominenter Papillarmuskel und eine gestörte Klappenfunktion. Im EKG zeigt sich oft eine verkürzte PQ-Zeit und eine T-Wellen-Inversion.8
Typische Echokardiographie eines Morbus Fabry-Patienten (links), Magnetresonanztomographie mit Late-Enhancement-Technik zur Darstellung einer myokardialen „Replacement-Fibrose“ (rechts)
Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Frank Weidemann, Recklinghausen
Neurologische Untersuchungen
Mit freundlicher Genehmigung von Prof. Dr. Arndt Rolfs, Universität Rostock
Nephrologische Parameter
Nephrologische Parameter sind die Bestimmung des Kreatinins, der Kreatinin-Clearance, der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und der Nachweis von Eiweißen im Urin (Mikroalbuminurie bzw. Proteinurie). Nierenbiopsien werden nur empfohlen, wenn der Verdacht besteht, dass es zusätzlich zur Morbus Fabry eine zweite renale Erkrankung vorliegt.
Augen und Ohren
Spaltlampenuntersuchungen zur Diagnose von Cornea verticillata, Tortuositas vasorum und Fabry-Katarakten werden empfohlen. Eine HNO-ärztliche Abklärung kann Hörminderungen, Tinnitus und Störungen im Vestibularapparat aufdecken.
Gastrointestinale Untersuchungen
Gastrointestinale Untersuchungen sind Standarduntersuchungen bei abdominellen Beschwerden und werden nach Bedarf durchgeführt. Infrage kommen ein transabdomineller Ultraschall, eine Gastroskopie oder eine Koloskopie.
Quellen
- REISIN, R. et al. Int J Clin Pract. 2017; 71.
- GERMAIN, D.R. Orphanet J Rare Dis. 2010; 5.30.
- SMID, B.E. et al. J Med Genet. 2015; 52.262–268.
- MEHTA A. et al. Eur J Clin Invest. 2004. 34. 236–242.
- BÖTTCHER, T et al. PLOS ONE. 2013 ; 8.e71894.
- REIBER, H. et al. Mult Scler. 1998; 4(3).111–117.
- HOFFMANN, B. & MAYATEPEK, E. Dtsch Arztebl INT. 2009; 106826.440–447.
- NAMDAR, M. et al. Heart. 2011; 97.485–490.
- NOWAK, A. et al. Mol Genet Metab. 2017; 120.57–61.
- DESNICK, R.J. Prenat Diagn. 2007; 27.693-694.